Rückenwind für den Klimaschutz: Grüne in Hilchenbach und Kirchhundem Hand in Hand für einen interkommunalen Bürgerwindpark

Die Grünen in Hilchenbach und Kirchhundem tun sich zusammen, um gemeinsam für den interkommunalen Bürgerwindpark Hilchenbach-Kirchhundem zu werben. Dazu luden sie nun (11.8.2020) zu einem Informations- und Gesprächsabend in die KlimaWelten Hilchenbach ein. Das Interesse war groß, die Corona-bedingt auf 20 Personen beschränkte Teilnehmerzahl wurde schnell erreicht, so dass von der Außenterrasse des Umweltbildungszentrums am Hilchenbacher Kirchweg weitere Interessierte dem Vortrag des Gastreferenten Günter Pulte folgten.

„Wir Kirchhundemer kennen uns gut aus in Hilchenbach“, begrüßte Grünen-Fraktionssprecherin Anne Szymczak im Kirchhundemer Rat, die Anwesenden: „Nicht nur, weil wir regelmäßig im Gerberpark einkaufen, der ja derzeit leider etwas schwächelt, sondern auch, weil wir den Klimaschutz vor Ort gemeinsam voranbringen wollen.“ Für die Hilchenbacher Grünen freute sich Ortsverbandsprecher Dr. Peter Neuhaus, mit dem Geschäftsführer des auf Hilchenbacher Stadtgebiet seit 2008 existierenden Bürgerwindparks Rothaarwind I, Günter Pulte zugleich den Chefplaner von Rothaarwind II – also dem geplanten interkommunalen Bürgerwindpark Hilchenbach-Kirchhundem – als Referent gewonnen zu haben.

„Wir arbeiten an diesem Projekt seit 9 – in Worten: neun! – Jahren“, erläuterte Pulte: „Geplant sind 17 Anlagen des Typs Enercon 138 mit einer Nabenhöhe von 130 Metern und einem Rotordurchmesser 138 Metern an der Kreisgrenze zwischen den beiden Gemeinden, sieben auf Hilchenbacher und 10 auf Kirchhundemer Seite. Wir gehen von einer jährlichen Stromernte von 160 Mio kWh aus (zum Vergleich: Der bestehende Windpark produziert rund 20 Mio kWh pro Jahr). Bisher wurden 20 Fachgutachten erstellt und eine Dreiviertelmillion Euro an Planungskosten investiert – mit ungewissem Ausgang.“

Durch sich ständig ändernde Rechtsvorschriften und Gesetze sei es derzeit extrem schwierig, Windenergieprojekte ins Ziel zu bringen. Aber: „Wir lassen uns nicht beirren! Denn wir brauchen den Wind, wenn wir Klimaschutz ernst nehmen und erfolgreich gestalten wollen!“, so Pulte. „Schauen Sie sich in unseren Wäldern um: Der Klimastress macht längst nicht mehr nur den Fichten den Garaus. Auch der Laubwald geht in die Knie. Allen, die das Argument des Landschaftsschutzes gegen die Windenergie in Stellung bringen, kann ich nur sagen: Wenn wir die Energiewende nicht schaffen, werden wir unseren Wald bald im Museum angucken, aber sicher nicht mehr in der freien Natur – vom wirtschaftlichen Schaden für die Holz- und Forstwirtschaft ganz zu schweigen!“ Fred Josef Hansen, Landratskandidat der Grünen für den Kreis Olpe und von Beruf Förster, pflichtete Pulte ausdrücklich bei: „Wir steuern auf eine Katastrophe zu, wenn wir das Ruder nicht schleunigst umwerfen und uns dem Klimaschutz oberste Priorität zumessen!“

Gefragt, worin die Besonderheit eines Bürgerwindparks im Unterschied zu einem auswärtigen, zumeist ausländischen Projektiererwindpark liege, antwortete Pulte: „Die Menschen vor Ort können zu Miteigentümern werden und profitieren unmittelbar von den Erträgen. Dabei haben die die Bürger aus Kirchhundem und Hilchenbach einen privilegierten Zugang. Denn der Wind über diesen Orten ‚gehört‘ den Menschen, die hier leben. Zudem haben die Beteiligten ein Mitbestimmungsrecht. Und ein Teil des erzielten Gewinns bleibt als Gewerbesteuer bei der Kommune. Darüber freuen sich die Kämmerer.“

Zum aktuellen Planungsstand konnte Günter Pulte mitteilen, dass für den Hilchenbacher Teil mittlerweile ein positiver Bauvorbescheid vorliege. Für die Kirchhundemer Anlagen werde in diesen Tagen ein Bauantrag eingereicht.

Auf die Frage aus dem Auditorium, wie die Windenergie mit den Belangen des Artenschutzes zu vereinbaren sei, wies Pulte darauf hin, dass die größte Bedrohung der Artenvielfalt vom Klimawandel selbst ausgehe: „Durch den Klimawandel sind auch bei uns unzählige Arten vom Aussterben bedroht. Klimaschutz ist also praktischer Artenschutz!“ Wie es um die Belange der Anwohner bestellt sei, beantwortete er damit, dass für jede Anlage gelte: „Sie steht so weit entfernt von jeder Wohnbebauung, dass es keine Beeinträchtigung durch Schall oder sog. Schlagschatten geben wird.“

Die Gastgeber aus Kirchhundem und Hilchenbach dankten dem Referenten abschließend für den informationsreichen Vortrag und die sachliche Diskussion. Auch der Kirchhundemer Bürgermeister Andreas Reinéry meldete sich zu Wort und signalisierte 100-prozentige Zustimmung zu den Ausführungen Pultes: „Ich bewundere Ihre Gelassenheit bei all den Widerständen, die Sie zu überwinden haben!“ sagte er, worauf Pulte zurückgab: „Die ist nur äußerlich…“

Weitere Informationen und Nachfragen sind möglich unter info@remove-this.rothaarwind.de.

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